Open Banking

Open Banking ist ein regulatorischer und technologischer Rahmen, der zugelassenen Drittanbietern mit Zustimmung des Kontoinhabers Zugang zu Bankdaten sowie die Initiierung von Zahlungen über APIs ermöglicht. Er schafft die Voraussetzung für bankübergreifende Echtzeittransparenz, sofortige Kontozahlungen und eine moderne Treasury-Anbindung jenseits klassischer Batch-Prozesse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Open Banking geht auf die EU-Richtlinie PSD2 zurück (in Kraft seit Januar 2018). Sie erlaubt lizenzierten Drittanbietern (Third-Party Providers) den API-Zugriff auf Bankkonten, sofern der Kontoinhaber zustimmt.
  • Zwei API-Kategorien sind entscheidend: AIS (Account Information Service) liest Salden und Umsätze aus, PIS (Payment Initiation Service) löst Zahlungen direkt vom Konto des Zahlers aus.
  • TPPs brauchen eine Zulassung nationaler Aufsichtsbehörden wie BaFin, FCA oder ACPR als AISP oder PISP. Unter PSD2 gilt diese Zulassung dank EU-Passporting im gesamten EWR.
  • In Debitorenbuchhaltung und Treasury schafft Open Banking einen bankübergreifenden Liquiditätsstatus in Echtzeit, verifiziert Konten sofort und bietet mit Pay by Bank eine kostengünstige Alternative zur Kartenzahlung.
  • Die Vorschläge zu PSD3 und PSR (erwartet 2026-2027), das britische Open-Banking-Rahmenwerk und die US-Regelung CFPB Section 1033 tragen das Modell weltweit weiter, mit gestaffelten Umsetzungsfristen bis 2030.

Was Open Banking ist und woher es kommt

Open Banking ist ein Rahmenwerk, das lizenzierten Drittanbietern einen standardisierten, API-basierten Zugriff auf Bankkontodaten eröffnet. Anbieter dürfen im Namen des Kontoinhabers Zahlungen auslösen, sofern dieser ausdrücklich eingewilligt hat. Damit lösen regulierte, interoperable Schnittstellen ab, was jahrzehntelang über Screen-Scraping und ad hoc erstellte Datei-Feeds lief. Die Banken müssen diese Schnittstellen bereitstellen und pflegen.

Ihren Ursprung nahm die moderne Open-Banking-Bewegung in der Europäischen Union: mit der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie, bekannt als PSD2, die im Januar 2018 in Kraft trat. PSD2 verpflichtete die Banken im gesamten EWR dazu, APIs bereitzustellen, über die lizenzierte Drittanbieter Kontoinformationen abrufen und Zahlungen auslösen können. Damit brach die Richtlinie das historische Monopol der Banken über die Transaktionsdaten ihrer Kunden. Das Vereinigte Königreich führte 2018 einen parallelen Open-Banking-Standard ein. Er umfasst die neun größten Privatkundenbanken und lehnt sich an PSD2 an, wird seit dem Brexit jedoch eigenständig geregelt.

Die nächste Welle ist bereits in Bewegung. Die Europäische Kommission hat PSD3 sowie eine ergänzende Zahlungsdiensteverordnung vorgeschlagen. Beide treten voraussichtlich zwischen 2026 und 2027 in Kraft, verschärfen die Leistungsanforderungen an APIs und klären Haftungsfragen. In den USA hat die CFPB im Oktober 2024 ihre Regelung nach Section 1033 finalisiert. Sie schreibt US-Finanzinstituten einen Open-Banking-artigen Datenzugriff vor, den diese stufenweise von 2026 bis 2030 umsetzen. Auch Brasilien, Australien, Singapur und Hongkong führen eigene Varianten ein, etwa unter Bezeichnungen wie Open Finance und Consumer Data Right.

AIS versus PIS: die zwei API-Kategorien, auf die es ankommt

Open-Banking-APIs gliedern sich in zwei regulierte Kategorien, und die meisten Anwendungsfälle in Debitorenbuchhaltung und Treasury verbinden beide.

  • AIS, der Account Information Service (Kontoinformationsdienst), greift lesend auf Salden und Umsatzhistorie zu. Er schafft die Grundlage für bankübergreifende Liquiditätstransparenz in Echtzeit, liefert Daten für den automatisierten Abgleich und verifiziert Konten unmittelbar bei der Auftragserfassung.
  • PIS, der Payment Initiation Service (Zahlungsauslösedienst), erlaubt einem lizenzierten Anbieter, eine Zahlung direkt vom Bankkonto des Zahlungspflichtigen auszulösen. Das treibt Pay-by-Bank-Checkout-Prozesse, B2B-Zahlungseinzüge von Konto zu Konto und autorisierte Daueraufträge an.
  • Eine dritte Kategorie, die Card-Based Payment Instrument Issuer Services, bestätigt Anbietern lediglich, ob ein Konto gedeckt ist. Im Debitorenkontext spielt sie jedoch kaum eine Rolle.

Drittanbieter und die Regulierungsbehörden dahinter

Um Open-Banking-APIs im Produktivbetrieb aufzurufen, muss ein Unternehmen als Drittanbieter (Third-Party Provider, kurz TPP) lizenziert sein. Es gibt zwei wesentliche Lizenztypen: AISP für den Zugriff auf Kontoinformationen und PISP für die Zahlungsauslösung. Die Zulassung erteilen die nationalen Aufsichtsbehörden, und dank Passporting gilt sie im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum.

Zu den aktivsten Aufsichtsbehörden in Europa zählen die BaFin in Deutschland, die FCA im Vereinigten Königreich sowie ACPR und AMF in Frankreich. Jede von ihnen führt ein öffentliches Register der zugelassenen TPPs. Banken müssen das Zertifikat jedes Anbieters prüfen, der ihre APIs aufruft. Die meisten Anbieter in der Debitorenbuchhaltung und im Treasury besitzen entweder eine eigene AISP-Lizenz, arbeiten mit einem lizenzierten Aggregator zusammen oder beides.

Warum Open Banking für Debitoren und Treasury wichtig ist

Für Finanzteams verändert Open Banking die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Bankanbindung in drei konkreten Punkten.

  • Multibank-fähiger Liquiditätsstatus in Echtzeit. Ihr Treasury muss nicht länger bis zum Tagesende auf MT940- oder camt.053-Dateien warten. Über eine einheitliche API-Ebene rufen Sie untertägige Salden und Bewegungen über sämtliche angebundenen Konten hinweg ab. So schließen Sie die Lücke zwischen dem, was die Bank weiß, und dem, was Ihre Cashflow-Prognose annimmt.
  • Günstigeres Forderungsmanagement. Betten Sie Pay-by-Bank-Links direkt in Rechnungen und Mahn-E-Mails ein, dann geben Ihre Kunden eine Zahlung binnen Sekunden in ihrer Banking-App frei. Das ist wirtschaftlich deutlich attraktiver als eine Kartenzahlung: keine Interchange-Gebühr und, wo das Verfahren es unterstützt, eine taggleiche oder sofortige Gutschrift.
  • Sauberes Onboarding. Die AIS-basierte Kontoverifizierung bestätigt, dass das Bankkonto Ihres Kunden echt und aktiv ist und auf seinen Namen läuft, noch bevor die erste Rechnung rausgeht. Allein das räumt einen Großteil der R-Transaktionen, zurückgegebenen Lastschriften und fehlgeschlagenen Rückerstattungen aus, die sonst später auflaufen.

Umsetzung in der Praxis

Open Banking ist reguliert, aber nicht einheitlich. Ob eine Einführung tatsächlich Nutzen bringt, entscheidet sich in den operativen Details.

Die Abdeckung unterscheidet sich von Land zu Land. Großbritannien, Deutschland, die Niederlande und die nordischen Länder verfügen über ausgereifte Ökosysteme mit breiter Bankenabdeckung und zuverlässigen APIs. In südeuropäischen Märkten sieht es lückenhafter aus: Firmenkonten werden schwächer unterstützt, und APIs fallen häufiger aus.

Strong Customer Authentication (SCA) sorgt für zusätzliche Reibung. Nach PSD2 muss der Kontoinhaber die AIS-Einwilligung mindestens alle 90 Tage erneut bestätigen, und jede PIS-Zahlung erfordert eine erneute Authentifizierung. Voraussichtlich lockert PSD3 die 90-Tage-Regel für viele Firmenkundenszenarien. Trotzdem sollten Teams ihre heutigen Abläufe schon jetzt darauf ausrichten.

Die API-Qualität schwankt. Banken setzen dieselben Standards unterschiedlich um, und Firmenkonten laufen oft über andere Endpunkte als Privatkundenkonten. Die meisten Produktivumgebungen setzen auf einen Aggregator: Er kapselt die Fragmentierung, überwacht die Verfügbarkeit und normalisiert die Datenformate, bevor sie in der Debitoren- oder Treasury-Plattform ankommen.

So nutzt KI-native Debitorenbuchhaltung Open Banking

Eine KI-native Plattform für die Debitorenbuchhaltung versteht Open Banking als zentrale Daten- und Ausführungsgrundlage, nicht als Randfunktion. Echtzeit-AIS-Feeds halten Ihren Liquiditätsstatus durchgehend aktuell, sodass Zahlungsabgleich, Mahnpriorisierung und DSO (Debitorenlaufzeit)-Reporting auf Live-Zahlen basieren statt auf der Bankdatei von gestern. Agentische Workflows rufen eine einzelne Transaktion im Moment ihres Eingangs ab, ordnen sie einer offenen Rechnung zu und gleichen die Forderung aus, ohne auf den nächsten Batch-Lauf zu warten.

Im Forderungsmanagement macht PIS aus dem Mahnwesen eine Aktion mit nur einem Klick. Eine Erinnerungs-E-Mail enthält einen Pay-by-Bank-Link, der bereits Rechnungsbetrag, Währung und Verwendungszweck ausfüllt, und Ihre Kundin oder Ihr Kunde gibt die Überweisung direkt in der eigenen Banking-App frei. Die Beträge fließen unmittelbar auf das Konto des Verkäufers, bei Instant-Payment-Verfahren oft innerhalb von Sekunden und zu einem Bruchteil der Kosten einer Kartenzahlung in Euro. Kombinieren Sie das mit einer AIS-basierten Kontoverifizierung bei der Auftragserfassung, erhalten Sie schnelleren Zahlungseingang, weniger fehlgeschlagene Zahlungen und eine Konnektivitätsarchitektur, die endlich für Finanzprozesse in Echtzeit gebaut ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Open Banking einfach erklärt?

Open Banking ist ein Rahmenwerk, über das lizenzierte Drittanbieter per API auf Ihre Bankkontodaten zugreifen und Zahlungen auslösen können, allerdings nur, wenn Sie ausdrücklich zustimmen. Für Unternehmen heißt das: Software liest Salden und Transaktionen aus oder stößt eine Zahlung direkt von einem Bankkonto an, ganz ohne Screen-Scraping oder manuelle Datei-Uploads.

Was ist der Unterschied zwischen AIS und PIS?

AIS (Account Information Service) greift ausschließlich lesend auf Salden und Transaktionshistorie zu. Das nutzen Sie für Liquiditätstransparenz, Abstimmung und Kontoverifizierung. PIS (Payment Initiation Service) erlaubt einem lizenzierten Anbieter, eine Zahlung vom Konto des Inhabers auszulösen, etwa beim Pay-by-Bank-Checkout und bei Konto-zu-Konto-Einzügen.

Ist PSD2 dasselbe wie Open Banking?

PSD2 ist die EU-Richtlinie, die Open Banking in Europa überhaupt erst geschaffen hat: Sie verpflichtet Banken, ihre APIs für lizenzierte Drittanbieter zu öffnen. Open Banking ist der übergeordnete Ansatz und existiert inzwischen unter eigenständigen Rahmenwerken im Vereinigten Königreich, in den USA (CFPB Section 1033), in Brasilien, Australien und weiteren Ländern. PSD3 und die Payment Services Regulation sollen PSD2 voraussichtlich von 2026 bis 2027 erweitern.

Wer reguliert Open-Banking-Anbieter?

Nationale Finanzaufsichtsbehörden lizenzieren und beaufsichtigen die Drittanbieter. In Europa gehören dazu die BaFin in Deutschland, die FCA im Vereinigten Königreich und die ACPR in Frankreich, wobei die Lizenzen im gesamten EWR passportfähig sind. Jede Aufsichtsbehörde führt ein öffentliches Register der zugelassenen AISPs und PISPs.

Wie unterstützt Open Banking Debitoren- und Treasury-Teams?

Es verschafft dem Treasury in Echtzeit Transparenz über Salden und Transaktionen bei mehreren Banken, ganz ohne Infrastruktur für Batch-Dateien. Das Debitorenteam kann Pay by Bank als günstige Alternative zur Kartenzahlung anbieten. Und beim Onboarding neuer Kunden lässt sich das Konto sofort verifizieren, sodass Rückläufer und fehlgeschlagene Lastschriften seltener werden.

Ist Open Banking auch außerhalb Europas verfügbar?

Ja. Das Vereinigte Königreich betreibt einen eigenen Open-Banking-Standard, die USA führen CFPB Section 1033 mit einer stufenweisen Umsetzung von 2026 bis 2030 ein, und Brasilien, Australien, Singapur sowie Hongkong betreiben allesamt eigene Varianten unter den Bezeichnungen Open Finance oder Consumer Data Right. Abdeckung und API-Reife unterscheiden sich weiterhin von Markt zu Markt.

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