Liquiditätsgrad 2

Die Quick Ratio (auch Acid-Test-Ratio oder Liquiditätsgrad 2 genannt) misst, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinen liquidesten Vermögenswerten decken kann, ohne Vorräte einzubeziehen. Sie ist eine konservativere Liquiditätskennzahl als die Current Ratio, da Vorräte ausgeklammert werden, die sich unter Umständen nicht kurzfristig in liquide Mittel umwandeln lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Quick Ratio = (liquide Mittel + marktgängige Wertpapiere + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten.
  • Sie wird auch als Acid-Test-Ratio bezeichnet, weil sie die liquidesten Vermögenswerte den sofort fälligen Verbindlichkeiten gegenüberstellt.
  • Liegt die Quick Ratio über 1,0, übersteigen die liquiden Mittel die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Das zeigt: Sie können Ihre Verpflichtungen erfüllen, ohne Vorräte verkaufen zu müssen.
  • Die Quick Ratio rechnet konservativer als die Current Ratio, denn sie klammert die Vorräte aus. So berücksichtigt sie, dass sich Vorräte nicht immer schnell zu Geld machen lassen.
  • KI-native AR-Plattformen verbessern die Quick Ratio, weil sie den Zahlungseingang aus Forderungen beschleunigen. Der DSO sinkt dabei typischerweise um acht bis 15 Tage innerhalb von 90 Tagen.

Warum die Quick Ratio wichtig ist

Die Quick Ratio zählt zu den meistzitierten Liquiditätskennzahlen in der Finanzanalyse. Sie beantwortet eine entscheidende Frage: Kann ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten allein mit den liquidesten Mitteln begleichen, ohne dafür Vorräte zu veräußern? Kreditgebern, Investoren und Kreditanalysten zeigt eine gesunde Quick Ratio, dass ein Unternehmen über einen echten kurzfristigen Finanzpuffer verfügt und nicht nur über womöglich illiquides Working Capital. Finanzteams steuern mit ihr das Liquiditätsmanagement.

So berechnen Sie die Quick Ratio

Die Standardformel lautet:

Quick Ratio = (Liquide Mittel + Marktgängige Wertpapiere + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) / Kurzfristige Verbindlichkeiten

Ein Rechenbeispiel: Ein Unternehmen hat fünf Millionen Euro liquide Mittel, zwei Millionen Euro marktgängige Wertpapiere, 18 Millionen Euro Forderungen und 20 Millionen Euro kurzfristige Verbindlichkeiten. Quick Ratio = (5 + 2 + 18) / 20 = 1,25. Auf jeden Euro kurzfristiger Verbindlichkeiten entfallen also 1,25 Euro an liquiden Mitteln. Das deutet auf eine solide kurzfristige Liquidität hin.

Manche Analysten rechnen auch aktive Rechnungsabgrenzungsposten zu den liquiden Mitteln. Die konservativere Variante berücksichtigt dagegen ausschließlich liquide Mittel, marktgängige Wertpapiere und Forderungen.

Was ist eine gesunde Quick Ratio?

Die Benchmarks variieren je nach Geschäftsmodell und Branche:

  • Quick Ratio über 1,5: solider Liquiditätspuffer. Typisch für liquiditätsstarke Unternehmen oder für Unternehmen, die ihr Working Capital konservativ steuern.
  • Quick Ratio zwischen 1,0 und 1,5: gesund für die meisten B2B-Geschäfte. Der Puffer reicht aus, um kurzfristige Verbindlichkeiten zu decken.
  • Quick Ratio zwischen 0,5 und 1,0: hängt vom Geschäftsmodell ab. Für SaaS- und Abo-Geschäfte mit planbarem Cashflow genügt das, für kapitalintensive Unternehmen oder solche mit schwankenden Umsätzen wird es bedenklich.
  • Quick Ratio unter 0,5: Liquiditätsstress. Hier sollten Sie Liquiditätsmanagement, Forderungseinzug und die Zusammensetzung der kurzfristigen Verbindlichkeiten genauer analysieren.

Trends sind ebenso aussagekräftig wie absolute Werte. Sinkt die Quick Ratio, warnt das früh vor einer nachlassenden Liquidität, selbst wenn der absolute Wert noch akzeptabel ist.

Quick Ratio versus Current Ratio

Die beiden Kennzahlen dienen unterschiedlichen Analysezwecken:

  • Current Ratio = Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten: bezieht Vorräte und aktive Rechnungsabgrenzungsposten mit ein. Sie erfasst mehr, ist dafür aber weniger konservativ.
  • Quick Ratio = liquide Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten: klammert Vorräte und aktive Rechnungsabgrenzungsposten aus. Sie rechnet konservativer und zeigt die kurzfristig verfügbare Liquidität zuverlässiger an.

Halten Unternehmen hohe Lagerbestände, etwa in Fertigung und Handel, klaffen Current Ratio und Quick Ratio weit auseinander. Dann sagt die Quick Ratio mehr aus. Bei Dienstleistern oder Abo-Unternehmen mit minimalen Lagerbeständen liegen beide Kennzahlen dagegen nahezu gleichauf.

Häufige Fehler bei der Quick Ratio

Fehler 1: Die Qualität der Forderungen ignorieren. Forderungen zählen als liquide Mittel, weil man davon ausgeht, dass daraus im operativen Zyklus Zahlungseingänge werden. Überfällige oder strittige Forderungen lassen sich aber womöglich gar nicht eintreiben. Bereinigen Sie die Quick Ratio um die Forderungsqualität, gewinnt die Kennzahl deutlich an Aussagekraft.

Fehler 2: Statische Betrachtung. Die Quick Ratio zeigt nur eine Momentaufnahme. Wie sich der Wert über mehrere Quartale entwickelt, sagt weit mehr aus als jede einzelne Zahl.

Fehler 3: Branchenübergreifender Vergleich. SaaS-Unternehmen und kapitalintensive Fertigungsbetriebe arbeiten aus strukturellen Gründen mit sehr unterschiedlichen Quick Ratios. Vergleichen Sie deshalb nur innerhalb derselben Branche.

Fehler 4: Die Quick Ratio als Zielgröße behandeln. Wer die Quick Ratio hochtreibt, indem er überschüssige Liquidität hortet, verschwendet Kapital. Die richtige Quick Ratio ist der niedrigste Wert, der operative Sicherheit und die Einhaltung von Covenants gewährleistet.

Wie die Optimierung des Working Capital die Quick Ratio verbessert

Die Quick Ratio verbessert sich über drei operative Hebel:

  • Schnellerer Forderungseinzug: Ein niedrigerer DSO wandelt Forderungen schneller in liquide Mittel um und verschiebt die Vermögensstruktur hin zu liquideren Bestandteilen. KI-native AR-Plattformen senken den DSO in der Regel innerhalb von 90 Tagen um acht bis 15 Tage.
  • Steuerung der kurzfristigen Verbindlichkeiten: Wenn Sie Ihre Zahlungsziele gegenüber Lieferanten gezielt verlängern, senken Sie die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Übertreiben Sie es, belasten Sie damit jedoch die Lieferantenbeziehungen.
  • Disziplin im Cash Management: Programme zur Working-Capital-Effizienz minimieren überschüssige liquide Mittel und erhalten zugleich einen ausreichenden Liquiditätspuffer.

Für B2B-Unternehmen lässt sich der Hebel auf der Debitorenseite operativ meist am besten umsetzen. Ihn adressiert die moderne Automatisierung der Debitorenbuchhaltung auch am direktesten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Quick Ratio?

Die Quick Ratio (auch Liquiditätsgrad 2 oder Acid-Test-Ratio genannt) zeigt, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten mit seinen liquidesten Vermögenswerten decken kann, wobei die Vorräte ausgeklammert bleiben. Die Formel lautet (liquide Mittel + marktgängige Wertpapiere + Forderungen) geteilt durch kurzfristige Verbindlichkeiten.

Warum wird die Quick Ratio auch Acid-Test-Ratio genannt?

Der Name spiegelt wider, was die Kennzahl leistet: Sie stellt die liquidesten Vermögenswerte den sofort fälligen Verbindlichkeiten gegenüber und ist damit ein strengerer Maßstab als die Current Ratio. Die Bezeichnung „Acid Test“ (Säuretest) unterstreicht, wie konservativ diese Kennzahl misst, ob ein Unternehmen einen kurzfristigen Liquiditätsengpass übersteht, ohne Vorräte veräußern zu müssen.

Worin unterscheidet sich die Quick Ratio von der Current Ratio?

Bei der Current Ratio teilen Sie sämtliche Umlaufvermögenswerte (einschließlich Vorräte und aktive Rechnungsabgrenzungsposten) durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Quick Ratio berücksichtigt nur die liquiden Vermögenswerte (liquide Mittel, marktgängige Wertpapiere, Forderungen) geteilt durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Quick Ratio rechnet konservativer, weil sie die Vorräte ausklammert. Das trägt der Realität Rechnung, dass sich Vorräte womöglich nicht schnell zu Geld machen lassen.

Was ist eine gute Quick Ratio?

Ein Wert über 1,0 signalisiert grundsätzlich, dass Sie die kurzfristigen Verpflichtungen allein aus liquiden Mitteln bedienen können. 1,0 bis 1,5 gilt für die meisten B2B-Geschäftsmodelle als gesund. Über 1,5 deutet auf einen soliden Liquiditätspuffer hin. Unter 0,5 signalisiert einen Liquiditätsengpass, den Sie genauer untersuchen sollten. Welcher Wert passt, hängt vom Geschäftsmodell ab: SaaS- und Abo-Unternehmen kommen mit niedrigeren Quick Ratios aus als eine kapitalintensive Fertigung.

Lässt sich die Quick Ratio durch Working-Capital-Optimierung verbessern?

Ja. Die Quick Ratio verbessert sich, wenn Sie Forderungen schneller einziehen (und so in liquide Mittel umwandeln), die kurzfristigen Verbindlichkeiten aktiv steuern (Zahlungsziele strategisch ausschöpfen) und Ihre Liquidität diszipliniert managen. KI-native AR-Plattformen senken den DSO in der Regel innerhalb von 90 Tagen um 8 bis 15 Tage. Dadurch verschiebt sich die Vermögensstruktur hin zu liquideren Bestandteilen und die Quick Ratio steigt.

Sollte ich alle Forderungen in die Quick Ratio einbeziehen?

Üblicherweise beziehen Sie sämtliche Forderungen ein. Aussagekräftiger wird es, wenn Sie die Forderungsqualität berücksichtigen und überfällige oder strittige Forderungen ausklammern, die sich womöglich nicht schnell in liquide Mittel umwandeln lassen. Die bereinigte Quick Ratio misst die tatsächliche kurzfristige Liquidität belastbarer als die unbereinigte Variante, besonders bei Unternehmen mit vielen Abzügen oder Streitfällen.

Weiterlesen